Lippenschutz ohne Reizstoffe

Übersetzt aus dem Englischen von Zoe Braun - 2019

Die besten Lippenbalsame im Test

Für Lippenbalsame gibt es eigentlich nur zwei Qualitätskriterien: Sie müssen die Lippen langanhaltend mit Feuchtigkeit versorgen und frei von Reizstoffen sein, die Allergien auslösen können. Wir haben uns mit Fachärzten für Dermatologie und Kosmetikern hingesetzt und gemeinsam die Lippenbalsame ausgewählt, deren Inhaltsstoffe genau diesen Kriterien entsprechen. Diese Kandidaten mussten sich schließlich unserem Test unterziehen. Welcher Lippenbalsam fühlt sich am besten an, ist frei von Duftstoffen und benetzt die Lippen mit einem Hauch von Feuchtigkeit, ohne zu glänzen? Finden wir es heraus!

 

Jeder zweite Lippenpflegestift ist mangelhaft

Lippenpflegestifte und Lippenbalsame gibt es wie Sand am Meer. Ob im Supermarkt, in der Drogerie oder im Kassenbereich der Tankstelle – wer sich schnell eine Dosis Fett auf die Lippen schmieren möchte, wird keine Probleme haben, sich mit dem Stoff zu versorgen. Über die Inhaltsstoffe dürften sich die meisten keine Gedanken machen – sollten sie aber. Wer täglich Lippenbalsam oder Lippenpflegestift aufträgt, schluckt pro Jahr rund 20 Gramm davon. Das entspricht vier ganzen Lippenstiften. Wer da nicht auf die Zutatenliste achtet, kann schnell sein blaues Wunder erleben.

Bei einem Test von Lippenpflegestiften durch die deutsche Stiftung Warentest fiel jeder zweite getestete Stift durch. Der Grund waren immer sogenannte „kritische Mineralölbestandteile“, im Klartext: Abfallprodukte aus der Erdölraffinerie. Unter anderem fanden die Tester gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, die sich langfristig in der Leber, der Milz oder im Lymphsystem anreichern können. Außerdem entdeckten die Experten aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, die vor allem über Verunreinigungen in die Lippenbalsame gelangen und in Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

 

Teuer heißt nicht Qualität

Ein hoher Verkaufspreis steht übrigens nicht automatisch für bessere Qualität. Unter den durchgefallenen Testprodukten waren die Namen führender Markenhersteller vertreten. Die erdölbasierten Stoffe sind deutlich billiger als alternative Lösungen, lassen sich leicht verarbeiten und garantieren eine lange Haltbarkeit des Produkts, leider aber oft auf Kosten der Gesundheit der Verbraucher.

Die besten Lippenpflegestifte – Unsere Testkriterien

Für unseren eigenen Test haben wir internationale Best-of-Listen durchforstet, von der „Vogue“ über „Elle“ bis hin zu „totalbeauty.com“ und „realsimple.com“. Wir haben uns die Bestseller-Listen von Giganten wie „Budnikowsky“, „dm“, „Müller“ oder „Rossmann“ angeschaut und gewöhnliche Menschen auf der Straße nach ihrer Meinung befragt. Am Ende hielten wir eine Liste von 66 verschiedenen Lippenbalsamen in den Händen, vom einfachen Labello bis hin zu Luxus-Marken.

Anschließend haben wir uns mit Fachärzten für Dermatologie und Kosmetikern zusammengesetzt und gemeinsam die Lippenstifte aussortiert, die nach Meinung der Experten aufgrund ihrer Inhaltsstoffe entweder schädlich oder unwirksam sein könnten. Das Ziel: den Lippenbalsam finden, der am längsten Feuchtigkeit spendet, ohne schädlich zu sein. Darüber hinaus sollte der ideale Stift ein breites Publikum ansprechen, also möglichst ohne Aromen, Farbton oder Gloss-Effekt daherkommen.

Außerdem haben wir von den Fachleuten wertvolle Tipps mit auf den Weg bekommen, worauf Sie beim Kauf Ihres nächsten Lippenpflegestiftes achten sollten.

Cooling-Effekt? Nein, danke!

Wussten Sie beispielsweise, dass die meisten „kühlenden“ Lippenbalsame Stoffe enthalten, die eher schaden als die Lippen zu pflegen? Die meisten Produzenten setzen nämlich nicht auf natürliche Stoffe wie Eukalyptus oder Pfefferminzöl, sondern verwenden stattdessen Kampfer, Phenol oder Menthol – drei Stoffe, die mehr Schaden anrichten können als dass sie helfen.

„Wir verwenden Phenol vor allem in kosmetischen Peelings“, sagt Dr. Lauren Ploch, Fachärztin für Dermatologie. Die Säure agiere in etwa wie ein Schleifmittel, was, im Fall von spröden Lippen, ja prinzipiell eine gute Sache wäre. „Trockene, spröde Lippen brauchen aber Pflege und Reparatur, kein Peeling“, weiß die Expertin. Menthol und Kampfer hingegen sorgen für das kurzfristige Kältegefühl und werden in der Medizin zur örtlichen Betäubung eingesetzt. Einen feuchtigkeitsspendenden Pflegeeffekt hat keiner dieser Stoffe.

Aus diesem Grund haben wir auf alle Lippenpflegestifte mit „angenehmem Cooling-Effekt“ dankbar verzichtet und sie gar nicht erst getestet.

Frei von Allergenen

Allergene Stoffe können schwierig aufzuspüren sein. Ein Stoff, mit dem ein Mensch wunderbar zurechtkommt, kann bei anderen Menschen teilweise heftige körperliche Reaktionen auslösen. Unser Expertenteam hat uns daher mit einer Liste der am häufigsten auftretenden Reizstoffe versorgt, die wir in einem Lippenbalsam auf keinen Fall sehen wollen.

Lanolin

Lanolin wird im Deutschen auch Wollwachs genannt. Es handelt sich um ein Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen, das durch Waschen der Schafwolle gewonnen wird. Es gilt als Auslöser von sogenannten Kontaktekzemen. Die Fachärzte sprechen sich aus diesem Fall auch klar gegen den Einsatz von Lanolin in Lippenbalsam aus: „Ich habe zu viele Fälle von Kontaktekzemen gesehen, die durch Lanolin verursacht wurden und kann es daher nicht mehr empfehlen“, so Ploch.

Aus diesem Grund haben auch wir uns von allen Lippenpflegestiften getrennt, die Lanolin enthalten.

Parfums und Farbstoffe

Zwar sind nicht alle Duft- und Farbstoffe schlecht oder gefährlich, dennoch sind sie häufige Auslöser von Allergien. Darüber hinaus neigen diese Stoffe dazu, die Haut eher auszutrocknen als sie mit Feuchtigkeit zu versorgen. Peter Lio, Professor für klinische Dermatologie, erklärt: „Häufig entwickeln Menschen im Laufe der Zeit Allergien gegen bestimmte Parfummischungen. Das kann zu roten, geschwollenen und juckenden Lippen führen“. In der Liste der Inhaltsstoffe sind diese Mischungen oft gar nicht angegeben, sondern werden lediglich als „Duftstoffe“ oder „Farbstoffe“ aufgeführt.

Wir haben alle Lippenpflegestifte aussortiert, die auf chemische Duft- oder Farbstoffe setzen und haben nur Produkte zum Test zugelassen, die natürliche Alternativen aus essentiellen Ölen, Früchten oder Pflanzen enthalten. Es gibt allerdings keine Garantie, dass diese natürlichen Stoffe nicht im Laufe der Zeit ebenfalls zu Allergien führen können.

Weniger ist bei Lippenpflegestiften mehr

Professor Lio rät, grundsätzlich Produkte zu meiden, bei denen die Liste der Inhaltsstoffe länger ist als das örtliche Telefonbuch, unabhängig von der Sensibilität der Haut. „Jeder Inhaltstoff hat das Potential, eine Hautreizung zu verursachen oder eine Allergie auszulösen. Daher empfehle ich immer, Produkte zu wählen, die so einfach wie möglich aufgebaut sind“, sagt der Facharzt für Hautkrankheiten. Im günstigsten Fall enthalte ein Lippenpflegestift die nötigen Inhaltsstoffe, um die Lippen mit Feuchtigkeit zu versorgen und sie zu schützen, beispielsweise Aloe Vera, Olivenöl oder Vaseline. Viel mehr braucht es im Grunde nicht, um die Lippen ausreichend zu pflegen.

Wir teilten die auf unserer Liste verbleibenden Produkte in zwei Gruppen: In einer Gruppe versammelten wir die Produkte, die sich auf die nötigsten Inhaltsstoffe beschränken (in einem Fall wurden nicht mehr als vier Stoffe verwendet), in der anderen Gruppe die Produkte, bei denen die Liste der Inhaltsstoffe jeglichen Rahmen sprengt. Schließlich haben wir uns von allen Produkten getrennt, in denen mehr als 15 verschiedene Stoffe enthalten sind.

Die Besten der Besten

Am Schluss war nicht einmal die Hälfte der beliebtesten Lippenpflegestifte und Balsame Wert, getestet zu werden. Die verbleibenden Produkte auf unser Liste sind aus Sicht der Ärzte und Kosmetiker unbedenklich und konnten endlich von uns auf Herz und Nieren getestet werden.

Quelle: reviews.com

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